Ramona Taterra

 

Bildende Künstlerin aus Berlin // www.taterra.de

Taterras Arbeiten vereinen den Widerspruch zwischen perfekter Oberflächenbeschaffen- heit und kritischen Inhalten. Farbenfroh, fantasievoll, plakativ präsentieren sich die Werke mithilfe unterschiedlicher Stilmittel, zwei- und dreidimensional. Die Band- breite reicht von Zeichnungen, filigranen Radierungen, opulenten Objekten bis hin zu raumgreifenden Installationen.

 

Versehrungen – Verzierung und Verkehrung (by Robert Behrendt)

Nein, Taterras Arbeiten bereiten sich nicht auf uns vor… Wer was angesichts ihrer unerbittlichen Innenansichten denkt oder fühlt, steht erst zur Debatte, wenn es zu spät ist, wenn die Wunden schon aufgerissen sind und die Brüche und Schnitte hart und klar hervortreten.
Doch zeigt sie vor dem peinlichen Verhör ihre Instrumente: die goldenen Blätter einer Kreissäge und das Schmuckstück eines Strangs, der jeder Kehle gern sein zierliches Gepräge aufnötigt – Objekte die vielleicht kunsthandwerklichen Charme versprühten, wären sie nicht ebenso brutal wie nutzlos. Ihre “Wege zum Glück” sind ein Hohn auf jede Heilserwartung, die Farben Blau und Rot haben ihre Jungfräulichkeit längst eingebüßt. Und auch “Mutti” und “Vati” helfen nicht, denn ihre Anteilnahme verliert sich in der Topografie pedantischer Texturen.
Erspart uns Taterra jedoch die narrative Nabelschau, dann öffnet sie uns mit gezählten scharfen Strichen gleichzeitig den Schädelraum, die Herzkammer, Lungenflügel und Weichteile unserer Empfindsamkeit. Wann immer sie uns ihre Figuren in nackter Verlassenheit vorwirft, z.B. in der Serie “Alla famiglia – die Rettung ist nahe”, strömt wie kalte Zugluft ein Elend aus unserm eigenen Erinnern.
Die Skulpturen der “Kleinen weißen Frauen” sprechen von dieser isolierenden Einzigartigkeit des Subjektiven, die auch durch Kopie, Vervielfachung und Verpackung als “Men in boxes” nicht geheilt wird. Immerhin, scheint es, finden diese Männchen Ruhe – solange, bis auch ihre Integrität in Frage gestellt wird. Denn ein besseres Leben verspricht auch die Plastik “A better life you said” nicht, vielmehr nährt sie den Zweifel am heilen, vollständigen Ding, das wir Selbst nennen, am res integra der Alten.
Hier stellt der refragmentierte Körper das Original einer ursprünglichen Einheit in Frage und so wird schließlich auch unser Blick darauf ausgerenkt: Die Wunde selbst schlägt Wunden. Inversionen von Intimität mögen sich so darstellen. Sie prägen die Bildräume als Umkehrung von Ursachen. Das längst Entäußerte wird widerwillig wieder verinnerlicht, das, dessen man sich besser entledigt hätte, sperrt Taterra ein. Und uns mit dazu.
Gerettet nur diejenigen, die am Ende dieses Parcours etwas Ruhe in der kleinen Einsamkeit finden, die der Candlelion ( aus“Brautigan’s Spell”) verspricht, wenn sein Gedicht uns mit dem dämmernden Mantra verabschiedet:

A Candlelion Poem
Turn a candle inside out
and you’ve got the smallest
portion of a lion standing
there at the edge of the
shadows.

by Richard Brautigan

 

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